Als die Digedags bei uns auftauchten …
Manchmal sind es bei einer Verwertung nicht die großen Maschinen, Fahrzeuge oder Einrichtungsgegenstände, die besonders neugierig machen. So war es auch diesmal:
Rund 100 alte MOSAIK-Hefte kamen als bunt gemischtes Konvolut zu uns. Beim genaueren Sortieren zeigte sich, dass darunter zahlreiche Ausgaben der legendären Digedags von Hannes Hegen aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren sind – einige davon inzwischen fast 70 Jahre alt.
Besonders spannend sind die frühen Ausgaben: Unsere Sammlung beginnt bereits mit Heft Nr. 9 aus dem August 1957 und enthält danach zahlreiche weitere Hefte, teilweise in längeren zusammenhängenden Nummernfolgen.
Drei Hefte – drei kleine Geschichten
Beim näheren Beschäftigen mit der Sammlung sind uns einige Ausgaben besonders aufgefallen.
Nr. 9 „Das Urteil des Singongo“ – August 1957
Das älteste MOSAIK unserer Sammlung. Zu diesem Zeitpunkt war die Comicreihe selbst noch keine zwei Jahre alt. Für uns ist dieses Heft deshalb ein schöner Ausgangspunkt für die Sammlung – und ein Stück früher MOSAIK-Geschichte.
Nr. 17 „Die Verschwörung“ – April 1958
Dieses Heft führt ins antike Rom – und zeigt, welcher Aufwand damals hinter den Zeichnungen steckte. Für die möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung Roms fertigten die Zeichner ein mehr als einen Quadratmeter großes Modell aus Gips und Sperrholz an. Nr. 17 und das folgende Heft Nr. 18, für deren Rom-Darstellungen dieses Modell genutzt wurde, befinden sich beide in unserer Sammlung.
Nr. 90 „Das Turnier zu Venedig“ – Mai 1964
Mit diesem Heft beginnt ein besonders bekanntes Kapitel der Digedags: die Ritter-Runkel-Serie. Über mehrere Jahre und 63 Hefte begleiteten die Leser Ritter Runkel und die Digedags auf ihren Abenteuern. Mehrere Hefte dieser Serie finden sich auch in unserer Sammlung.



Kleine Hefte mit erstaunlich viel Geschichte
MOSAIK erschien erstmals 1955 und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Comic-Reihen der DDR. Die Abenteuer von Dig, Dag und Digedag führten ihre Leser durch unterschiedliche Epochen und in weit entfernte Länder.
Dabei wurde erstaunlich aufwendig recherchiert. Und manchmal waren dafür ungewöhnliche Wege notwendig: Da westliche Literatur in der DDR nicht ohne Weiteres verfügbar war, nutzten die MOSAIK-Zeichner unter anderem beschlagnahmte Bücher aus der Asservatenkammer des Berliner Polizeipräsidiums als Anschauungsmaterial – beispielsweise für die späteren Abenteuer in Amerika.
Auch Ritter Runkel schrieb noch eine ganz eigene Geschichte: Zwei MOSAIK-Fans in der Redaktion des Brockhaus sollen es geschafft haben, Informationen über die Comicfigur unter dem Stichwort „Runkelstein“ in der 20. Auflage der Enzyklopädie unterzubringen.
Vom DDR-Comic zum Sammlergebiet
Wie sich also herausstellte, halten wir mit diesem Stapel alter Comics ein kleines Stück Comic- und Zeitgeschichte in den Händen.
Manche MOSAIK-Ausgaben sind heute begehrte Sammlerstücke. Zu den großen Raritäten der MOSAIKs zählt beispielsweise eine englischsprachige Ausgabe der Nr. 105, von der lediglich vier Exemplare bekannt sein sollen. Diese Rarität befindet sich leider nicht in unserem Bestand – dafür umfasst unsere Sammlung eine schöne Auswahl quer durch mehrere Jahrzehnte: von frühen Digedags der 1950er-Jahre über Ritter Runkel bis zu den späteren Amerika-Abenteuern.
Und das ist auch einer der reizvollen Aspekte unserer Arbeit: Bei einer Verwertung weiß man vorher nie ganz genau, was einem begegnet. Manchmal lohnt sich der zweite Blick ganz besonders.
Die MOSAIK-Hefte werden aktuell in einer Onlineauktion in mehreren chronologisch zusammengestellten Positionen angeboten: pleser.de/auktionen
Fotos: Pleser KG
Quelle / weiterführende Informationen: MDR KULTUR, „Mosaik: Zwölf kuriose Fakten über die legendäre Comic-Reihe“, Beitrag vom 02.09.2026.





